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OLYMPISCHE
SPIELE SYDNEY 2000
Nach
der aus meiner Sicht verpatzten WM 1999 habe ich weiter an mir gearbeitet.
In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Sydney habe ich
bei der Männermannschaft der Leverkusener Amateure mittrainiert.
Vor Sydney hatten wir die längste und beste Vorbereitung, die wir
je in der Nationalmannschaft hatten. Tragischerweise sind wir dort
mit einem Eigentor ausgeschieden. Dabei hätten wir es wirklich verdient
gehabt, weil wir bis dahin die beste Mannschaft im Turnier waren.
Jedes Spiel in meiner Karriere war einzigartig, aber es gab natürlich
Momente, die waren höher anzusiedeln als andere, weil sie außergewöhnlich
waren. Und zu einem solchen gehörten sicherlich die Olympischen
Spiele von Sydney. Der schönste Moment war das Auftaktspiel gegen
Australien. Ich hatte eine unglaubliche Gänsehaut, als wir ins Stadion
einliefen. Es war extrem heiß und es waren fast 70.000 Zuschauer
im Stadion, man hat sein eigenes Wort nicht verstanden. Ari (Hingst)
und ich, wir haben uns immer angeschrieen. Es war so wichtig, dass
wir das erste Spiel gut bestreiten. Wir steigern uns ja immer im
Turnierverlauf, manchmal fangen wir sogar nur mit einem Remis an
und werden dann von Spiel zu Spiel besser. Am Ende haben wir gerade
einmal 1:0 gewonnen.
Ich
erinnere mich noch an eine Szene, als ein Kind aufsteht und ruft:
"Aussie, Aussie, Aussie" - und das ganze Stadion hat mitgeschrieen.
Mir ist es eiskalt den Rücken herunter gelaufen, so ein geiles Gefühl
war das. Ich habe immer wieder in die Zuschauerränge geschaut und
musste mich dann wieder aufs Spiel konzentrieren. Ich habe wirklich
gestaunt, als ich das so mitbekommen habe.
Ich denke, dass in den Jahren danach die Arbeit der Trainerinnen
immer mehr gefruchtet hat. Sie hatten ihre Formation über viele
Jahre aufgebaut, wir spielten seit langem zusammen und waren eingespielt.
Das Grundgerüst der Elf stand, außer dass mal eine Spielerin gefehlt
hat. Dann kannst Du dich einfach darauf verlassen und musst es nur
immer wieder abrufen.
Auf die EM 2001 und die WM 2003 komme ich aber erst im nächsten
Teil zu sprechen, habt also etwas Geduld ;-).
OLYMPIA
2004 IN ATHEN
Nach
meiner schweren Verletzung bei der WM 2003 habe ich Tina und Silvia
versprochen, dass ich die Olympischen Spiele in Athen auf jeden
Fall noch mitnehme. Deswegen musste ich alles tun, und letztendlich
habe ich es geschafft.
Im ersten Spiel gegen China war ich extrem nervös, weil ich nicht
wusste, wo ich stehe. Ich kenne meine Stärken und Schwächen sehr
genau und dann ging es gegen diese kleinen, wuseligen Spielerinnen.
Ich wusste, dass ich schnell, aber nicht die Schnellste bin. Ich
erinnere mich an die erste Aktion. Eine Chinesin machte eine Finte,
spielte mich aus und schoss zum Glück am Tor vorbei. Oft hadert
man nach solchen Situationen, aber ich habe mich sofort gefangen
und konnte mich dann von Spiel zu Spiel steigern.
Das Spiel gegen Nigeria im Viertelfinale war ein schmaler Grat.
Aber als ich dann auch noch ein so wichtiges Tor gemacht habe, hat
es mir noch mal einen Schub gegeben. So viele Tore schieße ich ja
auch nicht. Es war eine schöne und gute Zeit. Doch es fehlte uns
dieser letzte Wille, auch einmal Gold zu holen. Unser kämpferischer
Einsatz und unsere Laufbereitschaft im Halbfinale waren enorm, aber
spielerisch hatten wir gegen die USA an diesem Tag keine Chance.
Vielleicht war der Knackpunkt, dass wir nach der WM Maren Meinert
und Bettina Wiegmann nicht adäquat ersetzen konnten, das hat dann
nur noch für Europa gereicht. Auch wenn wir nur Bronze geholt haben,
war ich glücklich. Warum? Ich fand es toll, dass die fünf U.S.-Pioniere
(Mia Hamm, Julie Foudy, Brandi Chastain, Kristine Lilly, Joy Fawcett)
noch einmal Gold geholt haben, obwohl die Mannschaft im Endspiel
schlechter als Brasilien war und es nicht verdient hatte. Aber es
war ein typisch amerikanisches Happy End. Ich war so gerührt und
hatte Tränen in den Augen, weil ich mich so für diese Spielerinnen
gefreut habe. Sie haben nämlich wirklich viel für den Frauenfußball
getan und waren immer Vorbilder.
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