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EM
2005
Mit
Lockerheit zum Erfolg
Bei dieser EM haben wir uns zu Beginn auch schwer getan. Wir haben
zum Auftakt nur knapp 1:0 gegen Norwegen gewonnen. Das Spiel gegen
Frankreich hatte es nicht weniger in sich. Die Französinnen hatten
eine Riesenchance und wir hatten Glück, dass nicht auf Foul gegen
uns entschieden wurde. Im Gegenzug haben wir dann das Tor gemacht.
Die französische Torhüterin hatte einen schlechten Tag, obwohl sie
sonst gut gehalten hat. Wir haben dann 3:0 gewonnen.
Die EM war insgesamt wirklich schön, weil wir alle völlig entspannt
waren. Für Tina war es ihr Abschiedsturnier und trotzdem war sie
total locker. Dann gab es einen Feueralarm im Hotel, wir mussten
alle nach draußen ins Freie. Wir haben dann die Spielersitzung einfach
draußen abgehalten. Die Stimmung innerhalb des Teams war gut, wir
haben im Freien Spieleabende gemacht.
Für
Tina war es ein Super-Abgang. So etwas habe ich mir für sie gewünscht,
sie hat als Trainerin so viel für den Frauenfußball getan.
MEIN
ABSCHIED
2006
habe ich mir einen Muskelfaserriss zugezogen, der mich zu einer
längeren Pause gezwungen hat. Ich bin fast zwei Monate ausgefallen,
zuerst dachten wir, es sei nur ein Bluterguss. Und dann hatte ich
ständig etwas anderes. Ich kam wieder heran und dann ziepte es wieder
an einer anderen Stelle.
Im
Spiel gegen Hamburg habe ich ein wichtiges Tor gemacht. - Ich steige
zum Kopfball hoch, erziele den Treffer und dann landet eine HSV-Spielerin
auf meinem Knöchel, der dick und blau angelaufen ist.- Ich bin also
wieder ausgefallen. Dann habe ich mir später auch noch einen Pferdekuss
eingefangen, es war immer schwieriger, wieder heran zu kommen.
Damals überkamen mich die ersten Zweifel, die ich Silvia auch mitgeteilt
habe. Ich konnte mich anders als früher trotz Extratraining nicht
mehr steigern. Es mag sein, dass ich immer noch ein recht gutes
Niveau habe. Das mag für die Bundesliga reichen, was nicht abwertend
gemeint ist. Aber in der Nationalmannschaft will ich Leistungsträgerin
und nicht Mitläuferin sein. Denn dann macht es gleich mehr Sinn,
eine junge Spielerin aufzubauen. Das wäre auch nicht fair, da muss
man sich selbst gegenüber ehrlich sein. Um auf WM-Niveau zu kommen,
hätte ich noch einmal alles aufgeben und mich ausschließlich auf
den Fußball konzentrieren müssen. Doch dafür bin ich zu alt. Ich
hätte mich auch nicht mehr verletzen dürfen, mir war das Risiko
einfach zu groß.
Ich habe auch meinem Bruder, nachdem das im November passiert war,
versprochen, dass ich immer für ihn da bin, wenn er mich braucht.
Ich würde aber nicht gerne die WM-Vorbereitung unterbrechen, um
kurz in die USA zu fliegen. Silvia hat gesagt, ich soll den Algarve
Cup spielen und mich mit den anderen messen, um zu sehen, wo ich
stehe. Sie war sehr fair, sonst wäre ich wohl schon gar nicht mehr
nach Portugal gefahren. Ich war mir nicht sicher und hatte auch
Angst vor meinem ersten Einsatz wieder in der Nationalmannschaft.
Ich war ja fast ein Jahr lang ausgefallen und es kamen jetzt Gegner
ganz anderen Kalibers auf uns zu. Ich wollte mich in Portugal von
Spiel zu Spiel steigern, aber da wir uns nicht steigern konnten,
sondern sogar schlechter wurden oder stagnierten, habe ich für mich
selbst die Konsequenz daraus gezogen. Nach dem Algarve Cup haben
alle gesagt, ich sei noch eine der Besseren gewesen. Ich war aber
mit mir selbst unzufrieden und habe gemerkt, dass ich keine Leistungsträgerin
mehr bin. Mir war schon vorher klar, dass ich aufhöre, wenn ich
nicht sichtlich zufrieden bin. Es standen ja auch dann schon bald
wieder EM-Qualifikationsspiele an, ich konnte also nicht lange überlegen
und traf eine wohl überlegte Entscheidung.
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