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MEINE ZUKUNFT
Es
war wirklich das schönste Gefühl, im Nationaltrikot aufzulaufen
und ich möchte diese Zeit niemals missen. Es war über die Jahre
so etwas wie eine Traumwelt, jetzt muss man wieder in der Realität
Fuß fassen. Inzwischen sehe ich mich als Fan der Nationalmannschaft,
der sich freut, wenn er die Spiele live oder im Fernsehen verfolgen
kann und ich kann sagen, ich war auch einmal dabei. Das ist ein
schönes Gefühl und ich bin gar nicht traurig, denn ich habe sehr
viel mitgenommen, auch wenn ich Fehler gemacht habe. Die Zeit hat
mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich hoffe nur, dass ich
irgendwann etwas von dem zurückgeben kann, dass ich einmal eine
gute Trainerin werde. Die Zeit, die ich schon mit den Kindern im
Kindergarten oder in der Schule verbracht habe, war wunderschön.
Kinder sind einfach etwas ganz Tolles, das macht mir wahnsinnig
Spaß. Aber ich träume von etwas ganz anderem. Ich möchte in 10 oder
15 Jahren die erste Frau sein, die es schafft, ein Männerteam zu
trainieren. Das ist nicht unrealistisch, aber auch nicht einfach.
Leuten, denen ich das erzähle, sagen alle zu mir, dass ich das schaffen
werde. Sie trauen mir sehr viel zu. Prinzipiell finde ich es wichtig,
dass wir Nationalspielerinnen uns wenn möglich für den Nachwuchs
einsetzen. Aber natürlich können nicht alle beim DFB arbeiten oder
die Nationalmannschaft trainieren.
Ich bin eher jemand, der etwas an der Basis tun will. Ich weiß aber
auch, dass das keine leichte Aufgabe sein wird. Es wird einem heute
im Frauenfußball immer noch nicht leicht gemacht. Man muss schließlich
sein Leben finanzieren, und als Jugendtrainerin verdient man einfach
nicht mal eben 3000 Euro im Monat, deswegen muss ich sehen, wie
ich alles auf die Reihe kriege. Ich habe schon vor dem Algarve Cup
mich darum gekümmert, was ich machen würde, wenn ich nicht mit zur
Weltmeisterschaft fahre. Ich habe bei Erich Rutemöller angefragt,
wie das mit dem Fußballlehrerschein ist und ob sie mich aufnehmen
können. Ich habe eine Zusage bekommen und werde schon bei der U-21-EM
in den Niederlanden Spielanalysen machen.
Die
Bundesligasaison ging am 10. Juni zu Ende, jetzt bin ich noch ein
paar Tage im Urlaub und dann geht es direkt los. Der Fußballlehrerschein
dauert ein halbes Jahr, ab Januar werde ich dann bei Nike ein Praktikum
im Marketingbereich machen. Es wird auf jeden Fall mit Fußball und
Scouting zu tun haben. Ich will meine letzte Saison noch einmal
sinnvoll nutzen, denn danach muss man ja arbeiten gehen. Wegen des
Fußballlehrerscheins werde ich in der Hinrunde der nächsten Saison
eher weniger spielen. Ich komme dann immer erst donnerstags wieder
zurück und kann wohl gerade mal am Abschlusstraining am Freitag
teilnehmen. Ich kann also keine Ansprüche stellen und werde nur
noch aushelfen, in der Rückrunde könnte ich dann wieder voll einsatzfähig
sein. Ich will auf jeden Fall die Saison durchspielen und meinen
Vertrag erfüllen. Der Verein muss ja auch planen, sonst hätten sie
sich schon jetzt um eine andere Spielerin bemühen müssen.
Auch
wenn ich auf der Bank sitzen werde, werde ich unsere Mädels anfeuern.
Es ist auf jeden Fall ein spannender neuer Lebensabschnitt, der
beginnt, auf den ich mich schon sehr freue.
www.womensoccer.de
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